header

Herren 08 02 26

Nachdem unsere Handballer in der Vorwoche ebenso überraschend als auch verdient den Tabellenführer Tuspo Nürnberg schlagen konnte, war die Favoritenrolle an diesem Wochenende auf dem Papier eindeutig, trat man doch beim Tabellenletzten des TSV 1846 Nürnberg an. Diese wurde auch nicht geschmälert durch erneut größere Personalprobleme. Daniel Wokon, Moritz Ortner und Markus Hellmich fehlten aus privaten Gründen, dazu kamen noch die langfristig Verletzten. Dennoch konnte Sigrid Rudat immerhin elf Spieler in den digitalen Spielbericht eintippen, wobei Torwart Jakob Weber als Feldspieler nominiert wurde, um die Wechselalternativen etwas breiter aufzustellen.

Als quasi Neuzugang durfte erstmals Mario Rausch mitwirken, der vor einigen Jahren Weißenburg verlassen hatte, nun aber wieder zurück in der Heimat weilt und sich in der Fremde zu einem hervorragenden Handballer entwickelte.
Wer die ersten zehn Minuten verfolgte durfte sich jedoch zu Recht fragen, wie die Sechziger in der Vorwoche mehr oder weniger problemlos den Spitzenreiter schlagen konnten, und heute eine unterirdische Leistung ablieferten. Man zählte gefühlt mehr Fehlpässe als gelungene Aktionen, hatte in der Abwehr kaum Zugriff und musste nachetwas mehr als fünf Minuten bereits zwei Mal in Unterzahl agieren, da sowohl Basti Rudat als auch Simon Heger ganz früh mit Zeitstrafen belegt wurden. Es bedurfte einer klaren Leistungssteigerung sowie drei Meyer-Tore, um beim 5:5 erstmals ausgleichen zu können. In der Folge erspielten sich die Weißenburger Handballer einen leichten Vorteil, konnte diesen jedoch aufgrund andauernder Fehler und wohl auch mangelndem Selbstbewusstsein nicht wirklich ausnutzen. Es entwickelte sich ein sehr enges und wenig ansehnliches Spiel, das auch aufgrund einiger Härte durch die Gastgeber sehr unruhig verlief. Auch die Schiedsrichter sorgten nicht unbedingt dafür, dass sich das Spiel beruhigte, als sie kurz vor der Pause ein ganz hartes Foul an Sebastian Rudat nur mit einer zwei Minuten Strafe belegten. Den zugehörigen Siebenmeter vergab Moritz Meyer ärgerlicherweise, so dass es bei einem 11:13 Vorsprung bei Halbzeitende blieb – dies auch nur, weil Florian Beierlein den letzten Wurf der Gastgeber mit seinem Gesicht blockte, was zum Wiederanpfiff eine doppelte Überzahl bedeutete.
Wer jetzt dachte, dass die Sechziger im Spiel sechs gegen vier den Vorsprung ausbauen würden, sah sich getäuscht. Fehlwürfe und haarsträubende Fehler sorgten dafür, dass man die Überzahlminuten mit 0:1 verlor und sich die Gastgeber das Momentum sichern konnte und zum 14:14 ausglich. Doch jetzt endlich gelang den Sechzigern der Turnaround. War die Abwehr bereits in der ersten Halbzeit einigermaßen zufriedenstellend steigerte man sich nun um mehrere Level. Tim Lukas entdecke neue Talente und agierte auf einmal als Abwehrbollwerk, Moritz Meyer fällte jeden Gegner im Zweikampf und Florian Beierlein blockte mehr als eine Firewall. Auch Alexander Symader, der in der ersten Halbzeit sehr unglücklich agierte, war kaum noch zu überwinden und zeigte mehrfach tolle Paraden. Aus dieser starken Abwehr heraus gelangen mehrere einfache und schnelle Tore. Tim Lukas und Alex Symader bedienten zwei Mal hintereinander Michel Brunnenmeier, so dass aus 15:15 binnen Sekunden 15:17 wurde. Im gebundenen Angriff übernahm Sebastian Rudat das Ruder und sorgte mit drei Treffern in Folge für eine erste beruhigende vier-Tore Führung (16:20, 48. Minute). Zwei weitere Tore durch Florian Beierlein vom Kreis machten dann den Deckel auf die Partie, 16:22 hieß es bei noch neun Minuten Spielzeit. Dass man sich eigentlich sicher sein konnte, den Vorsprung ins Ziel zu bringen lag an der weiterhin überragenden Defensive und Alex Symader im Tor, die zusammen in der zweiten Hälfte nur sieben Gegentore zuließen. Auch wenn der ein oder andere Fehlpass im Angriff sowie ungenutzte Wurfchancen Trainerin Sigrid Rudat weiterhin verzweifeln ließen, änderte das nichts mehr am Ausgang der Begegnung. Die letzte Spielaktion war dann ein Siebenmeter, den der heute überragende Tim Lukas werfen durfte und selbstredend verwandelte. Mit 18:25 siegten die Sechziger schlussendlich, taten sich gegen das Tabellenschlusslicht aber unfassbar schwer. Auch wenn niemand mitgezählt hatte waren es vermutlich mehr Fehlwürfe und technische Fehler als Gegentreffer, was gegen andere Gegner sicherlich große Probleme bedeutet hätte. So war es der Erfolg einer großartigen Mannschaftsleistung, mit der man sich gemeinsam aus der unterirdischen Performance der ersten Hälfte herauszog.
Für die Sechziger bedeutete dies der fünfte Erfolg in Serie, was aktuell den vierten Tabellenplatz der Bezirksliga bedeutet. Mit dem Abstieg wird die Mannschaft von Sigrid Rudat somit nichts mehr zu tun haben. Ob die Trainerin deshalb nun zwei Wochen urlaubsbedingt das Szepter an Markus Brunnenmeier abgibt oder eine Auszeit von dem aufregenden Spiel gegen die 46er benötigt bleibt spekulativ. Am Sonntag geht es weiter, der TSV Altenberg wird um 14:00 Uhr in der Seeweiherhalle erwartet. Es gilt, die Siegesserie auszubauen und vielleicht die Nerven etwas weniger zu strapazieren.

Spielverlauf: 2:0, 4:2, 5:5, 8:8, 10:9, 11:13 Halbzeit – 12:13, 15:15, 15:19, 16:22, 18:23, 18:25 Ende
Strafwürfe: TSV 1846 Nürnberg 2/1; TSV Weißenburg 8/5
Strafzeiten: TSV 1846 Nürnberg 6 Minuten; TSV Weißenburg 8 Minuten

Für den TSV 1860 Weißenburg spielten: Alexander Symader, Simon Sulk (beide Tor); Sebastian Rudat 7/4, Adrian Morgenroth 1, Tim Lukas 3/1, Jakob Weber, Moritz Meyer 6, Michael Brunnenmeier 2, Florian Beierlein 4, Mario Rausch 1 und Simon Heger 1.