Marco Fabritius ist nicht mehr Trainer bei unserem Fußball-Landesligisten, ein TSV1860-Trio hat vor dem ersten Punktspiel am Samstag in Münchberg übernommen: Paukenschlag kurz vor dem Start in die zweite Saisonhälfte: Unser TSV 1860 hat sich am Sonntag von Trainer Marco Fabritius getrennt. Die Chronologie dieses letzten Wochenendes in der Wintervorbereitung: Am Samstag setzte es eine deftige 1:6-Pleite im Testspiel auf dem Kunstrasenrasenplatz in Roßtal gegen den Nord-Bezirksligisten SpVgg Erlangen. Am frühen Sonntagnachmittag, wenige Stunden vor dem letzten Vorbereitungsspiel auf Eichstätter Kunstrasen gegen den Kreisligisten SV Marienstein (1:1), war ein Treffen im Sportheim an der Rezataue anberaumt. Teilnehmer: Christian Leibhard, langzeitverletzter Fußballer der ersten Mannschaft und für diese in der Fußballabteilungsleitung zuständig, deren Leiter Angelo Giugliano und eben Marco Fabritius. Nach jenem Gespräch war der 28-Jährige nicht mehr Trainer des TSV 1860.
„Wir hatten nach den Eindrücken der Wintervorbereitung und den Auftritten der Mannschaft in den Testspielen nicht mehr das Gefühl, dass wir in dieser Konstellation das Ruder noch herumreißen können“, begründete Christian Leibhard die Trennung von Fabritius; sprich, den Klassenerhalt in der Landesliga Nordost zu schaffen. Aktuell stehen die Weißenburger auf einem der beiden Abstiegsrelegationsplätze, das rettende Ufer ist zwei Punkte entfernt, am kommenden Samstag beginnt die zweite Saisonhälfte mit dem schweren Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten in Münchberg, eine Woche später kommt der SC Feucht in den Dotlux-Fußballpark.
Marco Fabritius hätte sich nach eigener Aussage gewünscht, dass er zumindest diese beiden Spiele noch als Trainer bekommt, die Trennung kam für ihn „überraschend“. Zumindest zu diesem Zeitpunkt. „Wir haben immer offen kommuniziert, die Themen waren bekannt“, sagt Fabritius und meint damit den Grund, den die Weißenburger Verantwortlichen für die Entlassung nennen. „Die fußballerische Kompetenz, die Zusammenarbeit auf menschlicher Ebene, sein Einsatz, alles top“, sagt Christian Leibhard über Marco Fabritius. Er ist jedoch auch überzeugt: „Marco ist ein ruhiger Trainer, die Mannschaft braucht aber mehr Einfluss von außen, mehr Führung, sie ist ja noch jung.“
Eine Sichtweise, die Fabritius einerseits akzeptieren kann. „Ich glaube, das 1:6 gegen Erlangen war ausschlaggebend, das war aber ein kollektives Versagen von allen. Ansonsten ist die Vorbereitung aus meiner Sicht ganz gut gelaufen, wir haben bei diesen schwierigen Witterungsbedingungen das Beste rausgeholt. Aber der Zeitpunkt passt ja irgendwie nie, und du musst eben Entscheidungen treffen.“ Andererseits: „Das ist meine Art und Weise des Coachings, mein Führungsstil. Ich gebe die Verantwortung gerne an die Spieler weiter, sie dürfen auch Fehler machen. Und ich bin keiner, der einen Spieler nach einem Fehler auf dem Platz zur Sau macht.“
Zur Sau soll auch in Zukunft in Weißenburg keiner gemacht werden, einen veränderten Führungsstil werde es unter dem neu installierten Trainertrio laut Christian Leibhard aber schon geben. Vorerst haben Leibhard (29) selbst sowie der bisherige Co-Trainer Tim Lotter (28) und Lukas Siol (30) – das Duo Lotter/Siol war bereits nach der Trennung von Mario Swierkot und Sebastian Schulik aktiv – die Verantwortung übernommen. Wie lange diese Konstellation Bestand hat, das ist laut Leibhard offen. „Aktuell jemanden zu finden, ist schwierig, wir schauen uns um.“ Es könnte demnach sein, dass ein neuer Weißenburger Cheftrainer erst zur neuen Saison übernimmt.
Marco Fabritius wünscht seinem Nachfolger, dass er einen Landesligisten übernimmt. Denn wie Chris Leibhard betont auch der nunmehr Ex-Trainer, dass es kein böses Blut zwischen den beiden Parteien gibt, auch wenn die Enttäuschung über das abrupte Ende bei ihm auch am Tag danach noch überwog. „Das war ein sehr emotionaler Tag für mich“, sagt der 28-jährige Burgfarrnbacher, für den der TSV 1860 nach Jahren im höherklassigen Jugendfußball ja die erste Trainerstation im Herrenbereich war. Und dann auch noch eine, auf der es gleich zum Dienstantritt im vergangenen Sommer einen happigen personellen Umbruch zu meistern galt.
„Ich nehme sehr viel mit und habe viel gelernt, im Herrenbereich geht es halt doch anders zu als in der Jugend“, sagt Fabritius, „es hat mir in Weißenburg aber trotzdem viel Spaß gemacht, auch das Umfeld ist super, es war eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. So gesehen, gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge da raus. Jetzt muss ich das erst mal sacken lassen und genieße meine freie Zeit, dann schauen wir weiter.“
Christian Leibhard, der übrigens kürzlich am „kaputten“ Sprunggelenk operiert wurde, möchte dem Ex-Trainer noch Folgendes mit auf den Weg geben: „Das war eine tolle Zusammenarbeit, und Marco ist bei uns immer gern gesehen, er soll sich auch ja nicht ändern.“ Nur in der aktuellen Situation, in der sich die Weißenburger Landesligafußballer befinden, da seien eben andere Qualitäten gefragt.
